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Thema: Es droht Totalschaden - was tun?

  1. #1
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    Standard Es droht Totalschaden - was tun?

    Liebe Kollegen,

    am Wochenende wurde mein 500 SEL durch einen Sattelschlepper schwer beschädigt. Das Gutachten des Sachverständigen liegt noch nicht vor, aber nach Einschätzung von MB hat neben Tür, Kotflügel, Stoßfänger, Licht etc. auch der Fahrschemel etwas abbekommen. Das rechte Vorderrad steht jedenfalls ca. 70 Grad aus dem Fahrzeug heraus.

    Ich frage mich jetzt, wie ich am Besten vorgehe. Das Classic-Data-Gutachten aus Juli 17 belief sich auf 13,5 TEUR. Aber es ist eigentlich absehbar, dass die Versicherung einen wirtschaftlichen Totalschaden annehmen wird. Also bekomme ich von der Haftpflicht des Truckers irgendeinen Betrag, der mir nicht wirklich hilft. Selbst wenn man reparieren könnte, werden die Kosten (jedenfalls bei MB) vermutlich höher liegen. Und einen anderen 140er bekomme ich dafür wohl auch nicht. Erst recht keinen, der nahezu durchrepariert ist (einen Tag vor dem Unfall [!!] 2.700 für Verteiler, Finger, Läufer, Kerzen, Kabelbaum etc. gezahlt).

    Was würdet Ihr an meiner Stelle machen?

    Viele Grüße
    Markus

  2. #2
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    Hallo Markus,
    mein herzliches Beileid. Das ist auch mein Alptraum (möchte nicht daran denken).
    Mein Tipp wäre, auf jeden Fall die Schadensregulierung durch einem guten Anwalt vornehmen zu lassen. So wie ich es lese, hast Du ja keine Schuld und die Kosten trägt voraussichtlich die gegnerische Versicherung. Mit dem Gutachten liegst Du schon mal auf der sicheren Seite (Rechnungen über den zwischenzeitlichen Reparaturaufwand sind ebenfalls sachdienlich).
    Oft kommt ein Vergleich zwischen der Versicherung und dem Geschädigten heraus.
    Viel Glück!
    VG
    Oliver
    W140 400 SE Bj. 02/1992

  3. #3
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    Ich war 24 Jahre Betriebsleiter einer großen freien Kraftfahrzeugwerkstatt mit Karosserieinstandsetzung und PKW-Lackieranlage. Ich habe berufsbedingt oft Unfallschäden von A bis Z abgewickelt. Wenn Du meinen nachfolgenden Rat und Vorgehensweise beherzigst, wirst Du so gut wie möglich, in dieser Unfallangelegenheit, Dein Fahrzeug wieder instand setzen lassen können. Es sei denn, der Schaden ist so hoch dass es sich wirklich nicht mehr lohnt. Aber meistens sieht ein Unfallschaden am beschädigten Kraftfahrzeug für Laien gefährlicher aus als es in Wirklichkeit ist. Wenn die zerknautschten Karosserieteile erst mal abgebaut sind, sieht der Unfallschaden meist gar nicht mehr so gefährlich aus. Wenn Die Schuldfrage geklärt ist und der Unfallgegner zweifelsfrei den Unfall verursacht hat, steht einer zügigen Schadensabwicklung mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung nichts mehr im Wege. Ist die Schuldfrage nicht geklärt muß unbedingt sofort ein Rechtsanwalt mit dieser Sache betraut werden. Ein Fachanwalt ist die bessere Wahl. Egal ob die Schuldfrage geklärt ist oder nicht, lass die Angelegenheit unbedingt von einem Rechtsanwalt durchführen. Die Kosten für den Anwalt muss die gegnerische Versicherung bezahlen und die Gutachterkosten auch. Ein Anwalt regelt auch alles viel schneller, als wenn Du versuchst alles sebst zu regeln und die Versicherung reagiert auf anwaltliche Schriftsätze schneller als auf private Schriftstücke. Also nun zur Vorgehensweise: Erst zum Anwalt, so schnell wie möglich einen Termin holen. Wenn Du keinen Anwalt kennst der Verkehrsrecht beherrscht, ruf beim ADAC an und lass Dich beraten. Der ADAC kenn gute Anwälte und berät Dich auch wenn Du kein ADAC Mitglied bist. Zweitens nehm Dir einen neutralen Gutachter, welcher auch GERICHTSANERKANNT ist. Ich habe bis auf wenige Ausnahmen immer die DEKRA bestellt, die haben gute Ingeneure und sind bei allen Gerichten als Sachverständige zugelassen, falls die Sache doch vor Gericht geht. Dem Gutachter teilst Du unbedingt mit dass das Fahrzeug bei einer freien Karosseriewerkstatt mit günstigen Stundenverrechnungssätzen repariert werden soll. Der Grund ist, dass Mercedes ausverschämt hohe Stundenverrechnungssätze hat und Dein Fahrzeug dann garantiert ein Totalschaden ist oder dadurch wird und dann bekommst Du nur den Marktüblichen Zeitwert für Dein Fahrzeug. Frage den Gutachter ob Er eine gute, freie und günstige Karosseriewerkstatt empfehlen kann und dann soll Er die Stundenverrechnungssätze dieser Werkstatt im Gutachten verwenden um einen wirtschaftlichen Totalschaden im Gutachten zu vermeiden. Du kannst Dich ja mit dem Gutachter vor der Begutachtung des Unfallschadens beraten und den Gutachter bitten einen Totalschaden im Gutachten zu vermeiden da Du dieses deutsche Kulturgut gerne erhalten möchtest und auch die gesetzliche Hundertdreißigprozentregelung in Anspruch nehmen wirst um dieses Fahrzeug wieder instandsetzen zu lassen. Die 130 % Regelung besagt dass die Versicherung bis zu 130 % der im Gutachten dokumentierten Reparaturentschädigung zahlen muss, wenn das Fahrzeug trotz Totalschaden wieder repariert werden soll. Dieses musst Du auch Deinem anwalt mitteilen. Sollten die 130 % dann nicht vollständig für die Instandsetzung ausreichen, kannst Du den Rest selbst zuzahlen. Wenn mann mit dem Werkstatt-Chef OHNE Zeugen vor der Reparatur ein wenig geschäftlich plaudert, ist meistens ein Sonderpreis verhandelbar oder ein Speziallohntarif..........
    Da Du ja nun schon offensichtlich einen Gutachter beauftragt hast, setze Dich umgehend mit diesem in Verbindung und bespreche mit Ihm was ich Dir in den letzten Sätzen geraten habe. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät das Gutachten eventuell zu Deinen Gunsten zu ändern.

  4. #4
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    Hallo Markus.
    vor vier Jahren wurde mein 500 SEL, 81 000 km , aus erster Hand , bis dahin Unfall- und Nachlackierungsfrei , bei einem unverschuldeten Unfall erheblich beschädigt.
    Da einer meiner Söhne eine Werkstatt für Oldtimerrestaurationen und Youngtimerreparaturen betreibt, wurde das Fahrzeug auch dort vom Sachverständigen begutachtet.
    Das Fahrzeug sollte und wurde dann auch dort fachgerecht instand gesetzt.
    Der Vorteil war, das die Löhne in dieser kleinen Werkstatt nur die Hälfte der DB Löhne betrugen.
    So konnten die Reparaturkosten unterhalb des wirtschaftlichen Totalschadens gehalten werden.
    Trotzdem betrugen die Rep.kosten doch noch fast 15 000 €.
    Ich hab dann für den Gutachter die seriösen Youngtimerhändler angeschrieben und um Wiederbeschaffungswerte für ein solches Fahrzeug gebeten.
    Gleichzeitig erschien in irgendeiner Oldtimer/Youngtimerzeitschrift ein Artikel zum Wiederbeschaffungswert eines W 140.
    Gottseidank stand in dem Artikel, das gute W 140 inzwischen beim seriösen Händler durchaus für 15 000 € gehandelt werden.
    Die Versicherung hat dann zuerst einmal auf Totalschadenbasis (Wiederbeschaffungswert- Restwert ) abgerechnet.
    Die haben dann einen Wahnsinns-Restwert einer obskuren Hamburger Firma zu Grunde gelegt.
    War mir aber egal, da das Fahrzeug sowie repariert werden sollte.
    Das Fahrzeug wurde dann ein halbes Jahr später in der Winterzeit instand gesetzt.
    Alle Schritte incl. Arbeiten auf der Richtbank mit Fotos dokumentiert und hinterher eine detailierte Rechnung mit jeder Schraube und Unterlegscheibe geschrieben.
    Das ist dann auch ohne Probleme gezahlt worden.
    Wichtig ist, das du den Fall sofort einem Fachanwalt für Unfallschäden, übergibst.
    Ein guter Kumpel, der vielleicht Anwalt ist oder Familienrecht macht , kann bei so einem nicht einfachen Fall nicht unbedingt hilfreich sein.
    Wenn du Fragen hast , schreib mich an.
    War selber Jahrzehnte als Gutachter tätig und im Augenblick führt mein jüngster Sohn auch diese Tätigkeit durch.
    Viel Erfolg
    Peter

  5. #5
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    Hallo Markus,
    habe mir gerade erst die Zeit genommen, den Beitrag vorher zu lesen.
    Wie du siehst, empfehlen wir dir beide den gleichen Weg.
    Grüße
    Peter

  6. #6
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    Liebe Kollegen,

    vielen Dank für Eure Tipps, genauso werde ich es machen! Der Gutachter (öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger) will morgen ans Auto und sich die Sache ansehen. Ich habe bereits mit ihm gesprochen, er hat im Sommer den Marktwert ermittelt und zusätzlich soll über Classic Data auch noch der aktuelle Wiederbeschaffungswert ermittelt werden. Ich habe bereits alle abgelegten einschlägigen Blättchen wie Youngtimer, Auto Bild Classic etc. sowie die Rechnungen seit Anschaffung rausgesucht (war doch überrascht, was der Dicke schon verschlungen hat....)
    Parallel suche ich jetzt einen Anwalt, der sich mit diesen Dingen auskennt.
    Extrem nervig das Ganze. Würde das Auto am Liebsten reparieren lassen und auch drauflegen, aber falls was mit der Achse ist, sehe ich mich wohl lieber nach einem anderen 140er um. Und da wären wir dann wieder bei mobile und autoscout und den ganzen Karren mit angeblicher "Vollausstattung" und "Traumzustand für Sammler" die dann entweder keine Klimaanlage oder gammelige Kabelbäume haben...

    Beste Grüße - und nochmal Danke für die Unterstützung!
    Markus

  7. #7
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    Keine Panik, alle Achsteile die am Rahmen angeschraubt sind können kostengünstig auch mit gebrauchten Achsteilen ersetzt werden.
    Nur wenn der Rahmen verzogen ist und das Fahrzeug auf die Richtbank muss, wird es teuer. Leichte Verformungen können mit einem Dozer instandgesetzt werden. Lass den Gutachter erst mal prüfen ob der Rahmen in Ordnung ist. Wenn Ja: Friede, Freude, Eierkuchen! Achsteile erneuern und Achsvernmessung durchführen. Der Achsmesscomputer registriert die kleinste Abweichung. Vielleicht ist eine Kontrollvermessung im beschädigten Zustand möglich. Du hast ja keine Schadenfotos eingestellt, deswegen kann ich auch nur raten und vermuten.

    Gruß Yogy

  8. #8
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    Hallo Markus,

    da ich selbst Anwalt bin und solche Schäden öfter bearbeite, kann ich Dir nur raten, einen Anwalt zu beauftragen (was keine Werbung für mich ist, such Dir einen in Deiner Nähe!).

    Die Versicherungen haben in den letzten Jahren eine regelrechte Masche entwickelt, mit völlig hanebüchenen Behauptungen die Regulierung zu kürzen. Da werden bei echten Schrottautos sechs Wochen nach dem Unfall angebliche Kaufinteressenten geliefert, die Mondpreise bezahlen wollen. Bei 30 € pro Tag auf dem Verwahrplatz hat ein vernünftiger Geschädigter das Auto zu dem Zeitpunkt längst verkauft - immer angeblich zu billig. Lässt er dagegen die Standplatzkosten auflaufen, zahlt die Versicherung sie höchstens für 10 Tage. Länger hätte der Geschädigte mit dem Verkauf nicht warten dürfen bei den Lagerkosten ...

    Auch immer wieder werden NACHTRÄGLICH, wenn man die Reparaturrechnung einreicht, plötzlich Teileverkäufer und Werkstätten aus dem Hut gezaubert, die die Reparatur für 30% weniger gemacht hätten. Mehr als das wird dann nicht erstattet - selbst schuld, wer zuviel zahlt. Die Liste ließe sich fortsetzen. Und das wohlbemerkt immer in Fällen, in denen die Schuldfrage keine Frage ist.

    Daher unbedingt zum Anwalt. Einen Fachanwalt für Verkehrsrecht brauchst Du nur, wenn Dir vorgeworfen wird, bei dem Unfall betrunken gewesen zu sein, telefoniert zu haben oder eine rote Ampel ignoriert zu haben - die Schuldfrage also noch offen ist. Für die reine Schadensregulierung ist dagegen ein Zivilrechtler die richtige Wahl.

    Die Anwälte, die über den ADAC kommen, haben mit der ADAC Rechtsschutzversicherung einen Rahmenvertrag. Sie bekommen Empfehlungen, rechnen der Rechtsschutz dagegen geringere Sätze ab. Besser als andere sind die nicht unbedingt, aber man kann davon ausgehen, dass sie hier und da schon Verkehrsunfälle abgewickelt haben.

    Wenn das Thema "wirtschaftlicher Totalschaden" vom Tisch ist, ist es keine schlechte Idee, sich von der gegnerischen Versicherung eine Werkstatt für die Reparatur vorschlagen zu lassen. Die arbeiten i.d.R. sehr sauber und hochwertig, weil sie die Kooperation mit der Versicherung nicht aufs Spiel setzen wollen, und Du hast garantiert kein Theater bei der Regulierung der Rechnung.

    Viel Erfolg und viele Grüße
    Kai
    Ein Auto ohne Stern auf der Haube ist nur ein Auto.

  9. #9
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    Hallo Kai,

    vielen Dank, stimme Dir völlig zu. Ich bin selbst Anwalt, allerdings mit völlig anderem Schwerpunkt. Solche Themen gehören in die Hände eines Spezialisten, deswegen werde ich einen zivilrechtlich versierten Kollegen beauftragen. Das würde ich ohnehin jedem empfehlen; der Generalist (oder Feld-Wald-Wiesen-Anwalt) ist heutzutage nur noch selten in der Lage, ein Verfahren optimal zu führen. Für Empfehlungen bin ich allerdings stets dankbar, bevor ich den ADAC (als Plus-Mitglied) kontaktiere.

    Beste Grüße
    Markus

  10. #10
    Senior Member Avatar von Nico
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    Standard

    Interessanter Thread, habe alles aufmerksam gelesen.

    Interessant auch weil ich erst letzte Woche wegen einem Wertgutachten für meinen angefragt habe. Gibt es noch irgendetwas das man als Halter machen kann um sich für solche Fälle abzusichern? Mein Wagen wäre in der Farbkombination und der Laufleistung etc. auch praktisch nicht wieder beschaffbar.

    Tipps?

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